„Das ist kein Eiswagen, das ist eine Ausstellung!“

Das MOLDOVAmobil unterwegs in Berlin und Leipzig

Ob das wohl ein Werbebus ist, um den Tourismus in Moldova anzukurbeln? Immerhin fragt man uns nach aktuellen Straßenkarten, Tipps für Radfahrer, Hotel-Empfehlungen und Hinweisen beim Grenzübertritt. Und wenn schon kein Reisebüro, dann seien wir doch sicher von einer der Hilfsorganisationen, die Spenden für das Land sammeln.

Nichts von alledem! Wir möchten – ganz ohne kommerzielle Hintergedanken – über das Land zwischen Rumänien und Ukraine informieren. Und das mithilfe dieser Ausstellung. Welche Ausstellung? Wo ist denn hier eine Ausstellung? Dort im Bus! Die Verwirrung ist komplett. Kaum vorstellbar, dass sich Passanten in einem Mercedes-Kleinbus einfach über ein Land informieren können, und das auch noch kostenfrei und ohne weitere Kaufverpflichtungen.

Wo ist diese Republik Moldau überhaupt? Die ist doch da, wo die Moldau fließt, Richtung Slowakei und Tschechien. Nein? Ach, Sie meinen Moldawien! Das ist doch das Land, aus dem die vielen Prostituierten kommen. Und wie heißt das Land heute? Wie sagt man denn nun offiziell: Moldawien, Moldau oder Moldova? Und welche Sprache spricht man dort?

Fragen über Fragen, denen sich das Betreuer-Team während der zweimonatigen Tournee durch Berlin und Mitte Juli durch Leipzig immer wieder gegenüber sieht. Dass man Passanten bei Regen, Kälte und später auch extremer Hitze ein nahezu unbekanntes Land im östlichen Europa näher zu bringen sucht, das mündet öfters in der Frage „Warum machen Sie das? Und warum ausgerechnet die Republik Moldau, ein so unbedeutendes, kleines Land, kaum größer als Baden-Württemberg?“

Ist aber die anfängliche Hemmschwelle erst einmal überwunden, scheint die Begeisterung umso größer. Im Bus rückt der Besucher weiter von Hörstation zu Hörstation, um schließlich nicht mehr loszukommen von den faszinierenden Filmen der Rückbank. Dass man ein Land auf diese Art erfahren kann, ist auf den ersten Blick nur schwerlich zu erkennen.

Eben eine Ausstellung in einer etwas anderen Form, nicht mit gerahmten Fotos, Bildunterschriften und ein paar Objekten in Plexiglas-Vitrinen. Stattdessen viele Tasten auf den Armlehnen, um Gespräche mit Moldauern anzuwählen, jeweils zu hören über Kopfhörer in Rot, Blau und Gelb. Kleine Hefte als Orientierungshilfe zu den verschiedenen Themen. Monitore mit Fotoserien und Filmen. Und schließlich ein Touchscreen mit relevanten Webseiten.

Insider erkennen bei der Ausgestaltung des Busses sofort den Zusammenhang zu den „Marschrutkas“, den in Osteuropa üblichen Sammeltaxis, und verlieren sich voller Begeisterung in den Details. Sie können auch unmittelbar den Bezug zwischen der mobilen Präsentation und den landesspezifischen Themen wie Migration und Mobilität nachvollziehen, sehen auch weitere Nutzungsmöglichkeiten dieser Art von Kulturvermittlung.

Die vielfältigen Rahmenveranstaltungen tragen ihrerseits dazu bei, auf das Land aufmerksam zu machen, Interesse zu wecken, um sich umfassender mit der Kultur Moldovas zu beschäftigen. Die Diskussionen legen zusätzliche Aspekte frei: neue Dimensionen, weitere Optionen einer Zusammenarbeit, denkbare Synergien, auch außerhalb der EU. Die Ausstellung, die als Dialog mit den Menschen in der Republik Moldau entstand, versucht im Dialog mit den Menschen in Deutschland einen langfristigen Dialog mit den Institutionen und privaten Initiativen in Moldau zu sichern.

Die kommende Station wird mit weiteren spannenden Gesprächen aufwarten. In Mannheim, der Partnerstadt Chişinăus, ist MOLDOVAmobil zwischen dem 27. September und 2. Oktober zu Gast.